18. März 2026 - Atemluftflasche im Notfalltraining beschädigt - Abrieb durch grobkörnigen Hallenboden
(bl) Mettmann (NRW). Im Notfalltraining wurde eine Sofort-Rettung durchgeführt. Der "kollabierte" Atemschutzgeräteträger musste dabei ca. 20 Meter ebenerdig über den Hallenboden gezogen werden. Diese Übung wurde in der Vergangenheit mehrfach problemlos durchgeführt. Nach dieser Übung wurde jedoch eine deutliche Schleifspur, Verschleiß an der Schutzkleidung und ein Schaden an der gefüllten CFK-Flasche sowie deren Schutzhülle festgestellt. Ein Druckverlust wurde nicht nachgewiesen, die Flasche musste jedoch aufgrund des enormen Abriebs ausgemustert werden.
Das Problem wird in der Bodenbeschaffenheit der Fahrzeughalle gesehen. Im Rahmen einer Umbaumaßnahme wurde der Boden in der Fahrzeughalle stark rutschhemmend und hochgradig abrasiv (vergleichbar mit 80er-Körnung-Schleifpapier) ausgeführt. Diese Eigenschaft wurde durch die Übungsleitung bei der Gefährdungsbeurteilung vor Übungsbeginn nicht als Risiko erkannt.
Gefahr:
Die Flasche weist eine massive strukturelle Schädigung im Bereich des Verbundmaterials auf. Nach fachlicher Einschätzung hätte diese Beschädigung unter ungünstigen Umständen zu einem Versagen des Druckbehälters bis hin zum Bersten führen können. Das Unfallpotenzial wurde als hoch eingestuft. Bei einem plötzlichen Versagen der Flasche während der Übung hätten potenziell vier Personen schwer verletzt werden können.
Prozessanpassung der Feuerwehr Mettmann:
- Das Ziehen von Verunfallten bietet sich im Einsatz ausschließlich zum sofortigen Retten aus einem akuten Gefahrenbereich oder im Falle einer lebensbedrohlichen Situation des verunfallten Truppmitglieds (z.B. Herz-Kreislauf-Stillstand) an. Das Risiko einer Beschädigung der Atemluftflasche muss hierbei unter Betrachtung der Gesamtsituation individuell durch den/die Truppführer/-in des Sicherheitstrupps bewertet und möglichst ausgeschlossen werden.
- Da die Handhabung und die Rettungstechnik als übungsbedürftig bewertet werden, dürfen derartige Übungen ausschließlich auf glatten Oberflächen wie exemplarisch Linoleum oder glatten Holzoberflächen (analog der Atemschutzübungsstrecke) trainiert werden. In jedem Fall ist auszuschließen, dass der vorhandene Bodenbelag Beschädigungen an der Atemluftflasche verursachen kann.
- Übungen unter Atemschutz unterliegen der generellen und vollständigen Überwachungspflicht durch die Übungsleitung. Zur Gewährleistung der Sicherheit ist der Einsatz zusätzlicher Übungsbeobachter situativ zu prüfen und bei Bedarf anzuordnen.
- Für Sofortrettungsübungen mittels Schleifen über den Boden ist bevorzugt alte Schutzkleidung sowie zwingend eine Pressluftatmer-Attrappe zu verwenden. Drucklose und stillgelegte Atemschutzgeräte mit Stahlflaschen werden seit dem Ereignis als Pressluftatmer-Attrappen für Sport und Ausbildung durch die Abteilung Technik bereitgestellt.
Quelle: David Herresbach, stv. Leiter der Feuerwehr Mettmann - Ausführlicher Bericht der Feuerwehr Mettmann
Anmerkungen vom Team Atemschutzunfaelle.eu:
Im Namen unserer Leser bedanken wir uns ganz herzlich bei der Feuerwehr Mettmann für den ehrlichen Bericht und den offenen Umgang mit diesem kritischen Ereignis. Statt ein Notfalltraining zu verbieten, wurden Lösungen gefunden. Wir werben an dieser Stelle für den offenen, lösungsorierten Umgang mit kritischen Ereignissen.
Für Meldungen an uns darf gerne unser pdf-Formular verwendet werden: Meldung an Atemschutzunfaelle.eu.
Das Team Atemschutzunfaelle.eu empfiehlt seit vielen Jahren verschiedene Rettungs- und Selbstrettungsszenarien intensiv zu trainieren. Auch in unseren Trainings führen wir Methoden durch, die unter Umständen den Materialverschleiß begünstigen. Für diese anspruchsvollen und notwendigen Trainings, insbesondere für häufige Wiederholungen, empfehlen wir ebenfalls ausgemusterte Geräte zu nutzen. Zumindest im Rahmen von Stationsausbildungen sind präparierte "Opfer" problemlos umsetzbar. Leere, nicht befüllbare Flaschen sind auch für das Szenario "Treppe auf-/abwärts" empfehlenswert, um das Flaschenventil zu schonen. Der Lungenautomat kann in diesem Szenario ebenfalls abgekuppelt werden.
Nicht zuletzt sind ausreichend erfahrene Trainer wichtig, die ein Notfalltraining professionell begleiten und die Sicherheit vor, während und nach dem Training im Blick behalten. Insbesondere kombinierte Übungen müssen intensiv mit einem sensiblen Blick auf die Sicherheit kontrolliert werden. Das Team Atemschutzunfaelle.eu bietet neben Notfalltrainings entsprechende Multiplikatoren-Schulungen an -> Ausbildung mit uns.