Unfälle in Europa im Jahr 1998

(Mindestens 3 getötete und 6 verletzte FA)

Hinweis: in der Statistik sind auch Unfälle enthalten die bisher nicht veröffentlicht wurden. Daher kann es vorkommen, dass die Gesamtzahl der betroffenen FA die Summe der in den Berichten erwähnten übersteigt.


1998 - fünf tödliche Unfälle in den FF in NRW (davon einer unter Atemschutz)

1998 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 2171 freiwillige Feuerwehrangehörige verletzt. Fünf FA starben im FF-Dienst!

Die tödlichen Unfälle...

Quelle: Innenministerium NRW und zuständige FUK (Düsseldorf)

- Kellerbrand - ein getöteter und drei verletzte FA

Donaustauf (Bayern). Kellerbrand. Während der Suche nach dem Feuer werden zwei Trupps von einer Durchzündung überrascht. Ein Kamerad stirbt. Drei weitere Feuerwehrmänner erlitten zum teil schwere Verbrennungen. Einzelheiten (inkl. Lageskizze) können Sie unter http://www.kitzingen.de/ffw-wiesenbronn/sendlbeck.htm nachlesen. Es gibt übrigens Parallelen zum Kölner Unfall am 06.03.1996.

Verbrennungen linke Kopfseite Verbrennungen rechte Kopfseite Verbrennungen an den Unterarmen
Verletzungen ca. 2 Wochen nach dem Brand

Verbrennungen am linken Unterarm
Verletzungen ca. 6 Wochen nach dem Brand

- Rauchgasexplosion - ein verletzter FA

Melle (Nds). In Melle ereignete sich eine Rauchgas-Explosion mit Folgen, die nicht sein müssten. Über die automatische Brandmeldeanlage eines mittelständischen holzverarbeitenden Betriebes erhielt die FEL eine Feuermeldung. Beim Eintreffen des ersten TLF drang Rauch aus dem Entleerungstrichter des Spänebunkers aus. Im weiteren Einsatzverlauf wurde ein Firmenmitarbeiter und ein Feuerwehrmann von einer Feuerwalze erfasst. Der Firmenmitarbeiter hatte Verbrennungen 2. Grades und der Feuerwehrmann 2. bis 3. Grades. Seine Jacke (orange, leichte Einsatzjacke) hat nicht gebrannt, jedoch mangelhaft gegen die starke Hitze geschützt. Von den einfachen Fw-Arbeitshandschuhen hat der rechte teilweise gebrannt und so Verletzungen am rechten Arm verursacht.

Quelle: Feuerwehr-Kurier 12/98, Flohre, Seiten 13-15

- Kellerbrand - ein getöteter FA

(bl) Wien (Österreich). Von den alarmierten Löschkräften wird nach dem Erreichen der Einsatzstelle festgestellt, dass der gesamte Keller sowie der Gangbereich eines Wohnobjektes dicht verraucht sind. Vom Universallöschfahrzeug "Hernals" wird ein Atemschutztrupp, bestehend aus BM Tindl und zwei Oberfeuerwehrmännern gestellt. Dieser Trupp marschiert zunächst mit einem Rohr in den Keller ein. Von der restlichen Mannschaft werden Bewohner des Objektes mit Fluchtfiltermasken evakuiert; sechs Personen müssen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung an den Rettungsdienst übergeben werden. Der Atemschutztrupp wird durch die starke Hitzeentwicklung schon nach kurzer Zeit zum Rückzug aus dem Keller gezwungen. In der Folge werden zwei Mittelschaumrohre vorgenommen. Mit einem Schaumrohr marschiert der Atemschutztrupp wieder in den Keller ein, mit dem zweiten wird versucht, von einem hofseitigen Fenster aus den Keller zu fluten. Dem Atemschutztrupp gelingt es zunächst, das Schaumrohr bis zum Brandherd kriechend vorzutragen und dort wieder mit der Löschtätigkeit zu beginnen. Es brennen Gerümpel und Autoreifen, wodurch absolut keine Sicht mehr vorhanden ist. Die Wärmestrahlung ist so enorm, dass nur in fast liegender Stellung gelöscht werden kann. Kurze Zeit später stürzen Mauerteile einer Zwischenwand - vermutlich aufgrund des abgebrannten Holztürstockes, welcher bis dahin der Mauer Halt gab - herab und treffen die Männer des Atemschutztrupps. Durch diesen Umstand wird der Trupp getrennt und verliert die Schlauchleitung, welche nicht wieder gefunden werden kann. Einem OFM gelingt es, die Kellerstiegen zu erreichen, als er jedoch feststellt, dass die übrigen Truppmitglieder fehlen, geht er zurück in Richtung Brandstelle. Der zweite OFM kriecht zwischenzeitlich - durch den Vorfall desorientiert - in die falsche Richtung. Er kann in letzter Sekunde gerettet werden. BM Tindl dürfte, getroffen durch herabstürzenden Teile und das laute, dumpfe Geräusch, die Orientierung verloren haben. Er gelangte in ein schräg hinter ihm befindliches offen stehendes Kellerabteil. In diesem Abteil befinden sich unter anderem ein Motorblock, eine Waschmaschine, ein Heizkonvektor und sperriges Sammelgut. An wegstehenden Teilen des Motorblockes bleibt BM Tindl mit der Bebänderung seines Atemschutzgerätes hängen. Es ist ihm nicht möglich, sich aus dieser Situation zu befreien und sein Atemluftvorrat geht zu Ende. Zwischenzeitlich begibt sich ein Rettungstrupp mit einem Rohr in den Keller. Jetzt kommt die äußerst komplizierte bauliche Situation zum Tragen. Durch eine weitere Öffnung in der Mauer des Brandraumes ist die Hitzeeinwirkung auf den einmarschierenden Atemschutztrupp von der falschen Seite spürbar. Der Trupp dringt daher zunächst in die falsche Richtung vor und kehrt erst um, als die Hitze nachlässt. Wenig später gelangen die Atemschutzträger schließlich zum Brandort, wo es gelingt, den Brand vorerst abzulöschen. BM Tindl kann zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht gefunden werden. Da ein Gerät bereits auf Reserve ist, muss der Trupp den Keller verlassen. Zeitgleich werden weitere Atemschutzträger in den Keller geschickt, wo BM Tindl schließlich von zwei Kollegen aufgrund des noch immer leuchtenden Scheinwerfers gefunden wird. Beim Auffinden hat BM Tindl keinen Helm und keine Atemschutzmaske mehr auf. Da er am Motorblock verhängt ist, gestaltet sich die Bergung schwierig. Vom Rettungsdienst, der den Verunfallten übernimmt, sind bereits alle Vorbereitungen für eine Reanimation getroffen und das Allgemeine Krankenhaus verständigt worden. Brandmeister Wilhelm Tindl wird sofort in das AKH gebracht, wo er trotz aller menschenmöglichen Bemühungen um 17:00 Uhr stirbt.

Quelle: FIREFIGHTER - Das Online-Magazin der Wiener Berufsfeuerwehr